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Die Saane wieder überspringen

icone auteur icone calendrier 22 décembre 2006 icone PDF DP 

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Keine Bilder, keine Schnäppchen-Informationen : So hat sich « Domaine Public » 43 Jahre lang als reflektierte linksliberale Zeitschrift auf dem Medienmarkt gehalten. Deutschschweizer Politjournalisten haben sie aus den 1980er-Jahren als beachtete Westschweizer Publikation in Erinnerung, die oft eine willkommene Alternative zu den Tageszeitungen bot – substanzieller, tiefschürfender, mit Beiträgen von Fachspezialisten und Politikern, und, vor allem, ohne ideologische Scheuklappen. Nein, « Domaine Public » stimmte und stimmt nicht ins Trommelfeuer der Linken ein, sondern behält sich eine eigene Meinung vor.

Nur zu gerne laden die Redaktoren ihre Leserinnen und Leser zum Mitdenken ein: Gibt es einen Ausweg aus einer sterilen Debatte zwischen links und rechts, einen dritten Weg, einen neuen Ansatz, der anderswo bereits diskutiert wird ? « Domaine Public » blickt vorurteilslos über den Tellerrand der Westschweiz hinaus. So ist es kein Zufall, dass die Redaktion schon Mitte der 1990er-Jahre in einem Klima scheinbar unversöhnlicher Positionen in der Romandie die Debatte über die Reform des Service Public vorantrieb. Und es ist ebenso wenig ein Zufall, dass ein Redaktor von « Domaine Public » zu jenen Persönlichkeiten gehört, die im vergifteten Hickhack der Genfer Politik hartnäckig eine Reform der Institutionen gefordert haben – mit Erfolg, wie wir seit dem jüngsten Entscheid des Genfer Parlaments wissen. Allerdings : Wer heute unter Deutschschweizer Politjournalisten Stimmen zu « Domaine Public » sucht, findet wenig Echo. Auch wenn die persönliche Umfrage der Schreibenden sicher nicht repräsentativ ist, scheint « Domaine Public » in der Deutschschweiz ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein. Doch wie sollte ein Nischenprodukt auf Deutschschweizer Redaktionen auch überleben können, wenn bereits grössere welsche Publikationen immer seltener auf den Journalistenpulten liegen ? Deutschschweizer Regionalzeitungen haben in den letzten Jahren « 24heures », « Tribune de Genève », « Le Matin » und « L’Hébdo » aus ihren Budgets gestrichen ; am ehesten wird noch das überregionale « Le Temps » gelesen. Der Grund sind Sparmassnahmen, die – das muss der Gerechtigkeit halber gesagt sein – auch Deutschschweizer Publikationen treffen. Doch nicht nur : Es gehört heute ganz offensichtlich nicht mehr zum Selbstverständnis von Zeitungsmachern, dass die Berichterstattung aus den Regionen in einem Land wie der Schweiz geradezu eine staatsbürgerliche Pflicht ist. Früher interessierten die Waadtländer Regierungswahlen in Zürich mehr als die St.Galler Wahlen, heute interessieren, überspitzt formuliert, beide etwa gleich wenig. Die Idee, dass Entwicklungen in der Romandie auch für die Deutschschweiz wichtig sind, hat durch die zunehmende Fokussierung auf die Bundespolitik offenbar an Boden verloren. Natürlich ist « Domaine Public » auch Konkurrenz erwachsen, seit die Zeitungen ihre Parteibindungen gelöst haben und Forumszeitungen wie « Le Temps » entstanden sind. Trotzdem ist es beunruhigend, dass « Domaine Public » im gleichen Jahr der Atem ausgehen soll, da « 20 Minuten » mit seinem Info-Kurzfutter den « Röstigraben » überspringt. Den « Ueberzeugungstätern » von « Domaine Public » ist der Elan für einen Neuanfang zu wünschen. Vielleicht finden sich Nachfolger, Mittel und Wege, um die Kräfte zu bündeln für eine Stimme, die beidseits der Saane gehört wird.

DOMAINE PUBLIC

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